Sicherheitsbeauftragter: Aufgaben, Pflichten und Rechte im Betrieb
Was macht ein Sicherheitsbeauftragter? Deine Aufgaben nach § 22 SGB VII, deine Rechte, warum du nicht zusätzlich haftest und wie viel Zeit dir zusteht.
Ein Sicherheitsbeauftragter unterstützt den Unternehmer dabei, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten zu verhüten. Nach § 22 Abs. 2 SGB VII überzeugt er sich, ob Schutzeinrichtungen und persönliche Schutzausrüstung vorhanden sind und richtig benutzt werden, und macht auf Unfall- und Gesundheitsgefahren aufmerksam. Er hat keine Weisungsbefugnis und trägt keine zusätzliche Haftung.
Frag zehn Sicherheitsbeauftragte nach ihrer Aufgabe. Die meisten antworten: „Ich schaue, ob die Schutzausrüstung getragen wird.“ Einige sagen nach kurzem Zögern: „Eigentlich weiß ich das gar nicht so genau.“
Dieses Zögern kenne ich von mir selbst. Ich bin als Sicherheitsbeauftragte im produzierenden Gewerbe gestartet. Eine Einarbeitung gab es nicht. Ich hatte ein Zertifikat und die vage Erwartung, dass ich jetzt „irgendwas mit Sicherheit“ mache. Später bin ich Gesundheitswissenschaftlerin und Fachkraft für Arbeitssicherheit geworden, heute sitze ich im Beirat der BG RCI. Hier steht, was ich mir an meinem ersten Tag als SiBe gewünscht hätte.
Wo ist die Rolle des Sicherheitsbeauftragten geregelt?
Die Grundlage ist § 22 SGB VII. Die DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ konkretisiert die Rolle in § 20. Erläuterungen dazu stehen in der DGUV Regel 100-001. Praktische Hinweise für den Alltag gibt die DGUV Information 211-042 „Sicherheitsbeauftragte“.
Seit dem 29. Mai 2026 gilt eine neue Fassung von § 22 SGB VII. Die Pflicht zur Bestellung greift ab regelmäßig 50 Beschäftigten. Bei 21 bis 49 Beschäftigten ist ein SiBe nur nötig, wenn die Gefährdungsbeurteilung eine besondere Gefährdung für Leben und Gesundheit ergibt. Die Einzelheiten stehen im Artikel Sicherheitsbeauftragter: ab wie vielen Mitarbeitern Pflicht?
Welche Aufgaben hat ein Sicherheitsbeauftragter im Alltag?
Im Betrieb sieht das so aus:
Du achtest darauf, ob Schutzausrüstung vorhanden und in Ordnung ist.
Du beobachtest, ob Arbeitsplätze, Maschinen und Arbeitsmittel sicher sind.
Du sprichst Kolleginnen und Kollegen auf unsicheres Verhalten an.
Du meldest Mängel und Beinaheunfälle an deine Führungskraft oder an die Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Du gehst bei Begehungen in deinem Bereich mit und bringst deine Beobachtungen ein. Eine Vorlage dafür findest du in der Checkliste für die Begehung.
Du wirkst bei Unterweisungen und Sicherheitsaktionen mit.
Du tauschst dich mit der Sifa über das aus, was dir auffällt.
Ein Beispiel: Am Montag fällt dir an Linie 4 auf, dass der Not-Halt-Taster hinter einer Palette verschwunden ist. Du sprichst den Kollegen an, ihr räumt die Palette weg. Weil die Palette dort jede Woche steht, sagst du es danach deinem Meister. So sieht die Aufgabe aus.
Was gehört nicht zu den Aufgaben eines Sicherheitsbeauftragten?
Diese Abgrenzung entscheidet, ob dich das Team als Partner sieht oder als Aufpasser.
Du hast keine Weisungsbefugnis. Du darfst keine Arbeiten untersagen und niemanden anweisen. Wer dich in die Rolle des Kontrolleurs drängt, macht dich im eigenen Team zum Feindbild.
Du bist nicht verantwortlich für die Gefährdungsbeurteilung. Die erstellt der Arbeitgeber, unterstützt von der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Du kannst eingebunden werden. Deine Praxisnähe hilft dabei.
Du ersetzt die Sifa nicht. Tiefes technisches Fachwissen brauchst du nicht. Deine Stärke ist die Nähe zum Alltag und zu den Kollegen.
§ 20 DGUV Vorschrift 1 verpflichtet den Unternehmer, dir die Arbeit als SiBe zu ermöglichen. Konkret heißt das:
Du bekommst Gelegenheit, deine Aufgaben zu erfüllen.
Du darfst in deinem Bereich an Betriebsbesichtigungen und an Untersuchungen von Unfällen und Berufskrankheiten teilnehmen. Die Ergebnisse werden dir mitgeteilt.
Fachkraft für Arbeitssicherheit und Betriebsarzt sollen eng mit dir zusammenarbeiten.
Du darfst an Aus- und Fortbildungen teilnehmen. Nach § 23 SGB VII sorgen die Unfallversicherungsträger dafür. Dein Arbeitgeber stellt dich frei und zahlt deinen Lohn weiter. Mehr dazu auf der Seite zur Ausbildung für Sicherheitsbeauftragte.
Du darfst wegen deiner Aufgabe als SiBe nicht benachteiligt werden. Das regelt § 22 Abs. 3 SGB VII.
Das Benachteiligungsverbot ist wichtig. Wenn du einen Mangel meldest und der Meister genervt ist, darf dir das bei der nächsten Schichtplanung nicht schaden.
Haftet ein Sicherheitsbeauftragter, wenn etwas passiert?
Viele zögern, das Amt anzunehmen, weil sie Angst vor der Haftung haben. Als Sicherheitsbeauftragter trägst du keine zusätzliche Haftung für die Durchführung des Arbeitsschutzes. Die Verantwortung bleibt beim Unternehmer und bei den Führungskräften.
Ein Beispiel: Ein Kollege an der Kreissäge arbeitet ohne Schutzbrille. Du sprichst ihn an. Er winkt ab. Du gibst es an seinen Vorgesetzten weiter. Damit hast du deine Aufgabe erfüllt. Ob und wie eingegriffen wird, entscheidet die Führungskraft.
Für dein eigenes Verhalten am Arbeitsplatz gilt dasselbe wie für alle anderen Beschäftigten. Das Amt ändert daran nichts. Was im Ernstfall genau gilt, erklärt der Artikel Haftung des Sicherheitsbeauftragten.
Gehört die Arbeit als Sicherheitsbeauftragter zur Arbeitszeit?
Ja. Die Tätigkeit als SiBe ist Teil deiner Arbeit, du übst sie während der Arbeitszeit aus. Eine feste Stundenzahl nennt das Gesetz nicht.
Im Alltag wird die Zeit trotzdem schnell knapp. In einer Befragung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV mit mehr als 1.600 Sicherheitsbeauftragten sagten 46,9 %, mehr Zeit für ihre SiBe-Aufgaben würde ihre Wirksamkeit verbessern. Wer kein festes Zeitfenster hat, verliert gegen das Tagesgeschäft. Vereinbare deshalb mit deiner Führungskraft eins. Zum Beispiel jeden Montag nach der Schichtübergabe eine halbe Stunde für einen Rundgang durch deinen Bereich. Mehr Ideen dazu stehen im Artikel Zeitmanagement für Sicherheitsbeauftragte.
Woran bleiben Sicherheitsbeauftragte in der Praxis hängen?
Die Aufgaben klingen überschaubar. In der Praxis bleiben viele Sicherheitsbeauftragte irgendwann an denselben Stellen hängen.
In derselben Befragung gaben 51,7 % an, dass Kolleginnen und Kollegen sie zu selten ansprechen. Für dich heißt das: Such das Gespräch von dir aus, beim Rundgang oder in der Pause.
Der Kollege ohne Schutzbrille
Er weiß, dass er sie tragen soll. Die Brille ist unbequem, und es war „schon immer so“. Wie sprichst du das zum dritten Mal an, ohne als Besserwisser dazustehen? Das ist eine Frage der Gesprächsführung. Und Gesprächsführung kann man üben.
Die Führungskraft, die nicht reagiert
Du meldest einen Mangel und hörst nichts. Beim zweiten Mal auch nicht. Irgendwann hörst du auf zu melden, weil es sich nicht lohnt. Wer selbst keine Antworten bekommt, wird auch für Kollegen keine gute Anlaufstelle.
Nach der Schulung kommt nichts
Du kommst vom Lehrgang zurück und findest denselben Betrieb vor wie vorher. Niemand führt dich in die Rolle ein, ein Zeitbudget gibt es auch nicht. Das Wissen aus dem Kurs verblasst. So ging es mir damals. Wie ein guter Start aussieht, beschreibt der Artikel Onboarding für Sicherheitsbeauftragte.
Für alle drei Stellen brauchst du Gesprächsführung und einen Betrieb, der dir Raum gibt. Bei safellows nennen wir das SiBe-Wirksamkeit. Gemeint ist, dass dein Wissen im Betrieb auch etwas bewegt.
Was kannst du diese Woche tun?
Wenn du SiBe bist: Bitte deine Führungskraft um ein Gespräch von 20 Minuten. Bring ein Blatt mit zwei Fragen mit. Was erwartest du von mir? Wie viel Zeit habe ich dafür pro Woche? Schreibt die Antworten gemeinsam auf.
Wenn du Sicherheitsbeauftragte bestellst: Führ genau dieses Gespräch von dir aus, bevor dein SiBe danach fragen muss. Wo deine SiBes heute stehen, zeigt dir der kostenlose Report zur SiBe-Wirksamkeit.
Häufige Fragen
Bekommt ein Sicherheitsbeauftragter mehr Geld?
Einen gesetzlichen Anspruch auf eine Zulage gibt es nicht. Ob es eine freiwillige Anerkennung gibt, entscheidet dein Betrieb.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Sicherheitsbeauftragten?
Der DGUV Grundsatz 311-004 (Ausgabe Mai 2025) legt für die Grundqualifizierung Lernergebnisse fest und keinen festen Zeitumfang. Wie lange ein Lehrgang dauert, hängt vom Anbieter ab. Was der Grundsatz verlangt, steht im Artikel DGUV Grundsatz 311-004.
Wie oft muss ein Sicherheitsbeauftragter zur Fortbildung?
Sitzt der Sicherheitsbeauftragte im Arbeitsschutzausschuss?
Ja. Nach § 11 ASiG gehören Sicherheitsbeauftragte zum Arbeitsschutzausschuss, den Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten bilden müssen. Dort kannst du Themen aus deinem Bereich direkt einbringen. Wie du dich darauf vorbereitest, steht im Artikel Sicherheitsbeauftragte im Arbeitsschutzausschuss.
DGUV Grundsatz 311-004 „Rahmenkonzept zur Grundqualifizierung von Sicherheitsbeauftragten“, Ausgabe Mai 2025: publikationen.dguv.de
DGUV (Hrsg.): „Verbesserung der Wirksamkeit von Sicherheitsbeauftragten. Konzeptionelle Überlegungen und praktische Ansätze für erfolgreiche außerbetriebliche und innerbetriebliche Maßnahmen“, mit Ergebnissen der Befragung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG), Webcode p022400: publikationen.dguv.de
Gesundheitswissenschaftlerin und Fachkraft für Arbeitssicherheit, Gründerin von safellows
Martina ist selbst als Sicherheitsbeauftragte gestartet, ohne Einarbeitung und ohne Plan. Heute begleitet sie Betriebe dabei, ihre Sicherheitsbeauftragten von Anfang an gut einzubinden.
Im Report zeigen wir an MAN Truck & Bus, Weidmüller und Kern Drucklufttechnik, wie es gelingt. Das gedruckte Heft kommt kostenlos per Post auf deinen Schreibtisch.