Unterschied Sifa und SiBe: Fachkraft für Arbeitssicherheit und Sicherheitsbeauftragte
Sifa oder Fasi, welche Abkürzung stimmt? Was die Fachkraft für Arbeitssicherheit macht und worin sie sich vom Sicherheitsbeauftragten unterscheidet.
Die Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) berät den Arbeitgeber fachlich in allen Fragen des Arbeitsschutzes. Grundlage sind das Arbeitssicherheitsgesetz (§§ 5 und 6 ASiG) und die DGUV Vorschrift 2. Sicherheitsbeauftragte (SiBes) sind Beschäftigte, die neben ihrer eigentlichen Arbeit in ihrem Bereich auf Sicherheit achten und den Unternehmer unterstützen (§ 22 SGB VII). Beide haben keine Weisungsbefugnis.
Im Flur fragt jemand aus der Personalabteilung, wer eigentlich für Sicherheit zuständig ist. Der eine sagt „die Sifa“. Die andere sagt „unser SiBe aus Halle 3“. Für viele klingt beides nach derselben Rolle. Genau hier beginnen die Missverständnisse. SiBes bekommen Aufgaben, die zur Führungskraft oder zur Sifa gehören. Die Sifa gilt als Aufpasserin, obwohl sie beraten soll.
Was macht eine Fachkraft für Arbeitssicherheit?
Wer Beschäftigte hat, muss sich nach dem Arbeitssicherheitsgesetz und der DGUV Vorschrift 2 sicherheitstechnisch betreuen lassen. Die Sifa kann im Unternehmen angestellt sein oder als externer Dienstleister kommen. In kleineren Betrieben lässt die DGUV Vorschrift 2 auch andere Betreuungsmodelle zu.
Die Sifa berät den Arbeitgeber und die Führungskräfte. Ihre Aufgaben stehen in § 6 ASiG. Typisch sind:
bei der Erstellung und Aktualisierung von Gefährdungsbeurteilungen unterstützen
zu technischen, organisatorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen beraten
bei der Planung von Arbeitsstätten und Arbeitsverfahren mitwirken
bei der Auswahl persönlicher Schutzausrüstung unterstützen
die Durchführung von Arbeitsschutzmaßnahmen beobachten
bei der Schulung der Sicherheitsbeauftragten mitwirken
Die Sifa ist eine beratende Stabsstelle der Unternehmensleitung. Für die Rolle braucht sie eine technische Vorbildung und eine eigene Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Was macht ein Sicherheitsbeauftragter?
Sicherheitsbeauftragte werden zusätzlich zu ihrer eigentlichen Tätigkeit bestellt. Die Staplerfahrerin bleibt Staplerfahrerin. Als SiBe hat sie in ihrem Bereich zusätzlich ein Auge auf Sicherheit und Gesundheit. Rechtsgrundlage sind § 22 SGB VII und § 20 DGUV Vorschrift 1. Die DGUV Information 211-042 „Sicherheitsbeauftragte“ beschreibt die Rolle ausführlich.
SiBes achten auf Gefährdungen und sprechen unsicheres Verhalten an. Mängel geben sie weiter. Bei Unterweisungen und Begehungen sind sie dabei. Durch ihr Vorbild wirken sie auf das Verhalten im Team. Die Verantwortung für den Arbeitsschutz bleibt beim Unternehmer und bei den Führungskräften. Eine zusätzliche Haftung tragen SiBes nicht.
Stellung: beratende Stabsstelle, intern oder extern
Auftrag: den Arbeitgeber in allen Fragen des Arbeitsschutzes beraten
Qualifikation: technische Vorbildung und Ausbildung zur Fachkraft für Arbeitssicherheit
Blick: auf das ganze System Arbeitsschutz
Sicherheitsbeauftragte (SiBe)
Rechtsgrundlage: § 22 SGB VII, DGUV Vorschrift 1
Stellung: Kollegin oder Kollege im eigenen Arbeitsbereich, zusätzlich zur eigentlichen Arbeit
Auftrag: den Unternehmer im Alltag unterstützen und Gefährdungen ansprechen
Qualifikation: Grundqualifizierung nach dem DGUV Grundsatz 311-004, der Lernergebnisse festlegt und keinen festen Zeitumfang vorgibt
Blick: auf den eigenen Bereich, aus der Sicht der Beschäftigten
Beide sind keine Vorgesetzten. Ein wirksamer Arbeitsschutz braucht trotzdem beide.
Sifa, SiFa oder FaSi: Welche Abkürzung ist richtig?
Lange waren mehrere Varianten im Umlauf. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die Länder und die DGUV haben sich deshalb auf eine Schreibweise verständigt. Die offizielle Abkürzung für die Fachkraft für Arbeitssicherheit lautet Sifa.
FaSi taucht in manchen Texten noch als alte Kurzform auf. FASI ist heute das Kürzel der Fachvereinigung Arbeitssicherheit e. V., eines Dachverbands mehrerer Fachvereine im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Für die Funktion verwendest du deshalb besser „Sifa“. SiBe ist dagegen nicht gesetzlich festgelegt. In Schulungsunterlagen und im Betriebsalltag ist die Abkürzung aber weit verbreitet.
Schreib in Vorlagen und Organigrammen durchgängig „Sifa“ und „SiBe“. Dann weiß jeder, wer gemeint ist.
Ist eine Sicherheitsfachkraft dasselbe wie eine Sifa?
Den Begriff Sicherheitsfachkraft hörst du vor allem mit Blick auf Österreich. Dort ist die Sicherheitsfachkraft (SFK) im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz geregelt. Diese Rolle entspricht in vielen Punkten der deutschen Fachkraft für Arbeitssicherheit.
In Deutschland wird „Sicherheitsfachkraft“ manchmal umgangssprachlich für die Sifa verwendet. Im deutschen Arbeitsschutz bist du mit „Fachkraft für Arbeitssicherheit“ und „Sifa“ auf der sicheren Seite. Arbeitest du mit österreichischen Standorten oder Konzernrichtlinien, erklär den Begriff kurz, damit keine Rechtsräume durcheinandergeraten.
Wie arbeiten Sifa und SiBe zusammen?
Die Sifa kommt alle paar Wochen in den Betrieb. Der SiBe ist jeden Tag da. Er kennt die Abkürzung, die jeder hinter Regal 12 nimmt, obwohl sie in keiner Gefährdungsbeurteilung steht. Er weiß, welche Maschine seit dem Umbau Ärger macht.
Die DGUV Information 211-042 betont: SiBes unterstützen Unternehmensleitung und Führungskräfte, egal ob eine Sifa bestellt ist. In der Praxis wirken beide am besten zusammen. Vor dem Besuch der Sifa sammelt der SiBe seine Beobachtungen aus der Woche. Beim Rundgang zeigt er ihr die Stellen. Die Sifa bewertet und berät die Führungskraft. Der SiBe trägt die Maßnahme zurück ins Team.
Einen festen Ort für dieses Zusammenspiel gibt es auch. In Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten sitzen Sifa und SiBes im Arbeitsschutzausschuss nach § 11 ASiG. Er tritt mindestens einmal im Vierteljahr zusammen. Wie dieses Zusammenspiel Teil der SiBe-Wirksamkeit wird, beschreiben wir in unserem Ansatz.
Kann ein Sicherheitsbeauftragter später Sifa werden?
Ja, mit der passenden Vorbildung und Ausbildung. Martina Ostfechtel, Mitgründerin von safellows, hat diesen Weg selbst gemacht. Sie ist als Sicherheitsbeauftragte im produzierenden Gewerbe gestartet. Eine Einarbeitung gab es nicht, nur ein Zertifikat. Später hat sie Gesundheitswissenschaften studiert (M.Sc. Public Health) und ist Fachkraft für Arbeitssicherheit geworden. Heute sitzt sie im Beirat der BG RCI. Mehr über ihren Werdegang liest du auf der Seite von Martina Ostfechtel.
Wer beide Rollen kennt, sieht die Lücke dazwischen. Die SiBe weiß, was in der Halle passiert. Die Sifa weiß, was daraus folgen muss. Für SiBe-Wirksamkeit braucht es eine Verbindung zwischen beiden.
Dein nächster Schritt
Nimm dir eine Seite Papier. Links die Sifa, rechts den SiBe. Schreib zu jeder Rolle, wer es in deinem Betrieb ist und wofür die Person zuständig ist. Dazu kommt die Telefonnummer. Zeig das Blatt in der nächsten Führungskräfterunde und häng es danach ans schwarze Brett in der Halle. Wie SiBes für ihre Rolle vorbereitet werden, zeigt unsere Ausbildung für Sicherheitsbeauftragte. Wie Betriebe beide Rollen verbinden, liest du im kostenlosen Report Mit System zu wirksamen Sicherheitsbeauftragten.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Sifa, wenn ich schon Sicherheitsbeauftragte habe?
Ja. Die Betreuung durch eine Sifa nach dem ASiG und die Bestellung von SiBes nach § 22 SGB VII sind zwei getrennte Pflichten. Die eine ersetzt die andere nicht.
Haftet ein Sicherheitsbeauftragter, wenn etwas passiert?
SiBes tragen keine zusätzliche Haftung für die Durchführung des Arbeitsschutzes. Die Verantwortung liegt beim Unternehmer und den Führungskräften.
Wer bildet Sicherheitsbeauftragte aus?
Nach § 23 SGB VII sorgen die Unfallversicherungsträger für die Aus- und Fortbildung und tragen die Kosten ihrer Lehrgänge. Der Arbeitgeber stellt den SiBe frei und zahlt das Arbeitsentgelt weiter.
Darf ein SiBe wegen seiner Rolle benachteiligt werden?
Nein. § 22 Abs. 3 SGB VII verbietet jede Benachteiligung wegen der Aufgaben als Sicherheitsbeauftragter, ab der Bestellung bis zum Widerruf.
Dario war Head of HSE in der Produktion und hatte über 20 Sicherheitsbeauftragte, die er nur ab und zu beteiligt hat. Heute hilft er Betrieben, ihre Sicherheitsbeauftragten wirksam zu machen.
Im Report zeigen wir an MAN Truck & Bus, Weidmüller und Kern Drucklufttechnik, wie es gelingt. Das gedruckte Heft kommt kostenlos per Post auf deinen Schreibtisch.