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Ausbildung · 9. April 2026 · 7 Min. Lesezeit

Geprüft und aktualisiert am

DGUV Grundsatz 311-004: Was er für die Ausbildung deiner Sicherheitsbeauftragten bedeutet

Was regelt der DGUV Grundsatz 311-004? Was SiBes danach können sollen und mit welchen Fragen du ein Ausbildungsangebot für deinen Betrieb prüfst.

Der DGUV Grundsatz 311-004 „Rahmenkonzept zur Grundqualifizierung von Sicherheitsbeauftragten“ (Ausgabe Mai 2025) legt fest, was Sicherheitsbeauftragte nach ihrer Grundausbildung können sollen. Er beschreibt Lernergebnisse, ein didaktisches Rahmenkonzept und Qualitätsanforderungen an alle, die qualifizieren. Einen festen zeitlichen Umfang schreibt er nicht vor.
Montagmorgen, Besprechungsraum. Auf dem Tisch liegen drei Angebote für die Ausbildung eurer neuen Sicherheitsbeauftragten. Alle drei berufen sich auf den DGUV Grundsatz 311-004. Eines dauert einen Tag, eines drei Tage, eines läuft über mehrere Wochen mit Praxisaufgaben. Welches nimmst du? Dieser Artikel hilft Unternehmen und Fachkräften für Arbeitssicherheit bei genau dieser Entscheidung.

Was regelt der DGUV Grundsatz 311-004?

Die aktuelle Ausgabe ist vom Mai 2025 und im Juni 2025 erschienen. Der Grundsatz legt fest, welche Lernergebnisse eine Grundqualifizierung erreichen soll. Dazu beschreibt er ein didaktisches Rahmenkonzept und Anforderungen an die Qualität der Kurse. Er grenzt die Grundqualifizierung außerdem von Aufbauqualifizierung und Fortbildung ab.
Die rechtliche Grundlage steht in § 23 SGB VII. Danach sorgen die Unfallversicherungsträger für die Aus- und Fortbildung der Sicherheitsbeauftragten. Der Grundsatz beschreibt, wie diese Ausbildung inhaltlich und methodisch aussehen soll.

Für wen gilt der DGUV Grundsatz 311-004?

Adressaten sind die Anbieter. Dazu zählen die Unfallversicherungsträger, freie Bildungsträger und Unternehmen, die ihre Sicherheitsbeauftragten intern ausbilden. Die Qualifizierung selbst ist für neu bestellte und angehende Sicherheitsbeauftragte gedacht. Auch wer schon länger im Amt ist und keine oder eine sehr alte Ausbildung hat, gehört zur Zielgruppe.
Bisher hat jeder Anbieter die Grundqualifizierung anders ausgelegt. Dauer und Inhalte unterschieden sich stark. Zwei Kollegen aus derselben Halle kamen nach zwei verschiedenen Kursen sehr unterschiedlich vorbereitet zurück. Der Grundsatz soll Angebote vergleichbar machen. Wer sich auf ihn beruft, sollte zeigen können, wie er die Lernergebnisse erreicht.

Was sollen Sicherheitsbeauftragte nach der Ausbildung können?

Der Grundsatz spricht vom Outcome. Gemeint ist das Ergebnis des Lernens. Es zählt, was die Teilnehmenden danach im Betrieb tun können. Eine Teilnahmebescheinigung nach einem Tag voller Paragrafen reicht dafür kaum.
Martina Ostfechtel, Mitgründerin von safellows, kennt das aus eigener Erfahrung. Sie ist als Sicherheitsbeauftragte im produzierenden Gewerbe gestartet. Eine Einarbeitung gab es nicht, nur ein Zertifikat. Genau diese Lücke soll der Grundsatz schließen.
Sicherheitsbeauftragte sollen Verantwortung übernehmen, sicherheitsbewusst handeln, Kolleginnen und Kollegen sensibilisieren und im Arbeitsschutz mitwirken. Im Alltag sieht das so aus: Die Kollegin am Stapler merkt, dass die Ladungssicherung im Wareneingang regelmäßig improvisiert wird. Sie spricht das im Team an, ohne zu belehren. Die Beobachtung bringt sie zur Meisterin oder in die nächste Gefährdungsbeurteilung. Dabei erklärt sie so, dass alle den Nutzen der Maßnahme verstehen.

Welche Kompetenzen beschreibt der Grundsatz?

Damit Kompetenz greifbar wird, beschreibt der Grundsatz ein Kompetenzprofil mit vier Feldern. Kommunikation zieht sich als Querschnittsthema durch alle Felder.
  • Fachkompetenz: Grundlagen von Sicherheit und Gesundheit verstehen, die Arbeitsschutzorganisation im eigenen Betrieb kennen, die Gefährdungsschwerpunkte im eigenen Bereich kennen.
  • Methodenkompetenz: Probleme systematisch erkennen, Informationen beschaffen, Beobachtungen ordnen und mit den richtigen Stellen Lösungen entwickeln.
  • Sozialkompetenz: mit Kolleginnen, Kollegen und Führungskräften gut umgehen und heikle Themen ansprechen, ohne dass es eskaliert.
  • Personal- und Selbstkompetenz: Rollenklarheit, Selbstvertrauen, Vorbildverhalten und die Fähigkeit, das eigene Handeln zu reflektieren.
In den Anhängen stehen das ausführliche Kompetenzprofil, die Lernziele und typische Handlungssituationen. Als Anlage gibt es zusätzlich einen „Sibe-Kompetenzcheck“. Die Handlungssituationen zeigen zum Beispiel, wie Sicherheitsbeauftragte mit anderen Arbeitsschutzakteuren zusammenarbeiten.

Wie läuft das Lernen nach dem Grundsatz ab?

Der Grundsatz versteht Lernen als Prozess. Er beschreibt dafür vier Phasen:
  1. Aneignen: Wissen und Grundlagen erarbeiten.
  2. Erleben: typische Situationen erfahren, in denen dieses Wissen gebraucht wird.
  3. Anwenden: in Übungen, Fallbeispielen und Rollenspielen ausprobieren.
  4. Reflektieren: Was hat funktioniert? Was fällt mir schwer? Wie will ich in meiner Rolle auftreten?
So kann eine Einheit aussehen: Die Gruppe erarbeitet, was zur Gefährdungsbeurteilung gehört. Dann erzählt ein Teilnehmer, wie der Schichtleiter ihn bei der Übergabe abgewimmelt hat. Er hatte eine defekte Absaugung angesprochen. Die Gruppe spielt das Gespräch durch, danach mit vertauschten Rollen. Am Ende sprechen alle darüber, was den Schichtleiter umgestimmt hätte. Auf diesem Weg kommt das Wissen im Verhalten an.

Was gilt, wenn du Sicherheitsbeauftragte selbst ausbildest?

Der Grundsatz gilt auch für Unternehmen, die intern qualifizieren. Baust du als Sifa oder in der Personalentwicklung eine eigene Grundqualifizierung, plane jede Einheit entlang der vier Phasen. Die Handlungssituationen aus dem Anhang sind eine gute Vorlage. Ersetze sie Schritt für Schritt durch Fälle aus eurem Betrieb.
Auch die Qualitätsanforderungen gelten für interne Kurse:
  • Sachlich: Räume oder digitale Lernumgebungen passen zur Gruppengröße und zum didaktischen Konzept.
  • Personell: Lernbegleitende kennen das aktuelle Arbeitsschutzrecht und sind didaktisch qualifiziert.
  • Organisatorisch: Die Abläufe richten sich nach den Lernzielen.
An diesem Punkt hängen interne Kurse oft. Fachlich ist die Sifa stark. Ein Rollenspiel zu moderieren, in dem ein SiBe das Gespräch mit dem eigenen Vorgesetzten übt, ist eine andere Aufgabe.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Sicherheitsbeauftragten?

Eine feste Dauer gibt der Grundsatz nicht vor. Entscheidend ist, ob die vier Phasen im Ablauf erkennbar sind und die Lernergebnisse erreicht werden. In einem Tag Frontalunterricht wird das schwer. Frag bei deiner Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse nach dem aktuellen Angebot.

Woran erkennst du ein gutes Ausbildungsangebot?

Zurück zu den drei Angeboten auf dem Tisch. Mit diesen Fragen kannst du sie vergleichen:
  • Welche Lernergebnisse verspricht der Anbieter, und wie überprüft er sie?
  • Wo im Ablauf eignen sich die SiBes Wissen an, wo erleben sie kritische Situationen, wo üben sie, wo reflektieren sie?
  • Arbeiten die Lernbegleitenden mit Situationen aus deiner Branche oder mit allgemeinen Beispielen?
  • Wie sind die Lernbegleitenden fachlich und didaktisch qualifiziert?
  • Wie hilft der Anbieter beim Transfer in den Betrieb, etwa mit Praxisaufgaben zwischen den Terminen?
  • Wie wird die Kompetenzentwicklung dokumentiert?
Achte besonders auf den Transfer. Dort entscheidet sich, ob aus dem Kurs SiBe-Wirksamkeit im Betrieb wird. Kann ein Anbieter diese Fragen kaum beantworten, ist der Verweis auf den Grundsatz ein Etikett.

Was kommt nach der Grundqualifizierung?

Der Grundsatz zeigt in einem eigenen Kapitel Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung auf. Eine gesetzlich feste Frist für die Fortbildung gibt es nicht. Die DGUV Information 211-042 nennt als Orientierung eine Auffrischung spätestens drei bis fünf Jahre nach der Ausbildung. Mehr dazu im Artikel Wie oft brauchen Sicherheitsbeauftragte eine Fortbildung?
Wichtiger als die Frist ist, was zwischen Kurs und Fortbildung passiert. Auch gut ausgebildete SiBes laufen ins Leere, wenn im Betrieb niemand ihre Beobachtungen aufnimmt. Kläre deshalb vor der Ausbildung, wer die Hinweise der SiBes bekommt und was die Führungskräfte von ihnen erwarten. Wie die ersten Wochen nach der Bestellung aussehen können, steht im Artikel Onboarding für Sicherheitsbeauftragte. Wie du die Führungsebene gewinnst, liest du im Artikel Führungskräfte für Sicherheitsbeauftragte gewinnen.
Die Ausbildung ist ein Baustein. Für SiBe-Wirksamkeit braucht es danach einen festen Platz im Betrieb. Was dazu gehört, beschreibt unser Wirksamkeits-Prinzip.

Dein nächster Schritt

Nimm dir vor der nächsten Buchung eine halbe Stunde. Leg den Ablaufplan des Angebots neben die vier Phasen und markiere, wo jede Phase vorkommt. Wo eine Lücke bleibt, fragst du beim Anbieter nach. Wie wir unsere Grundausbildung nach dem DGUV Grundsatz 311-004 aufbauen, siehst du auf der Seite Ausbildung für Sicherheitsbeauftragte. Was nach der Ausbildung im Betrieb passieren muss, steht im kostenlosen Report Mit System zu wirksamen Sicherheitsbeauftragten.

Häufige Fragen

Ist der DGUV Grundsatz 311-004 verbindlich?

Ein DGUV Grundsatz ist keine Unfallverhütungsvorschrift. Er setzt einen fachlichen Maßstab, an dem sich Unfallversicherungsträger und andere Anbieter orientieren.

Wer bezahlt die Ausbildung zum Sicherheitsbeauftragten?

Lehrgänge der Unfallversicherungsträger bezahlt der Träger selbst, einschließlich Fahrt, Verpflegung und Unterkunft (§ 23 Abs. 2 SGB VII). Du stellst den SiBe frei und zahlst das Arbeitsentgelt weiter. Bei externen Anbietern trägt in der Regel das Unternehmen die Kosten.

Darf die Grundqualifizierung online stattfinden?

Der Grundsatz nennt ausdrücklich auch digitale Lernumgebungen. Was ein reiner Online-Kurs leisten kann, liest du im Artikel Sicherheitsbeauftragte im Selbststudium schulen.

Quellen

Dario Ostfechtel

Geschrieben von

Dario Ostfechtel

Sicherheitsingenieur, Gründer von safellows

Dario war Head of HSE in der Produktion und hatte über 20 Sicherheitsbeauftragte, die er nur ab und zu beteiligt hat. Heute hilft er Betrieben, ihre Sicherheitsbeauftragten wirksam zu machen.

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