Sicherheitsbeauftragte onboarden: Fahrplan für die ersten drei Monate
Neuen SiBe bestellt? Mit fünf Bausteinen und einem Fahrplan für die ersten drei Monate machst du aus der Bestellung eine Rolle, die im Betrieb wirkt.
Ein gutes Onboarding für Sicherheitsbeauftragte klärt in den ersten drei Monaten die Rolle und verbindet die Schulung mit der Praxis im eigenen Bereich. Die direkte Führungskraft begleitet diese Zeit, die Fachkraft für Arbeitssicherheit unterstützt. Vom ersten Tag an sollte der neue SiBe wissen, dass er keine Weisungsbefugnis hat und keine zusätzliche Haftung trägt.
Martina ist als Sicherheitsbeauftragte im produzierenden Gewerbe gestartet. Es gab ein Zertifikat, eine Einarbeitung gab es nicht. Danach hatte sie viel Wissen im Kopf und eine offene Frage: Was soll ich hier jetzt eigentlich tun? Später ist sie Gesundheitswissenschaftlerin und Fachkraft für Arbeitssicherheit geworden.
Ich kenne die andere Seite. Als Leiter HSE in einem Industrieunternehmen hatte ich über 20 Sicherheitsbeauftragte. Ich habe sie nur ab und zu eingebunden, einen festen Platz in meiner Arbeit hatten sie nicht. Ihre Bereiche habe ich öfter gesehen, mit den SiBes selbst habe ich wenig gesprochen.
Diese Lücke begegnet uns bei safellows immer wieder. Ein SiBe wird bestellt und geschult. Danach ist er sich selbst überlassen. An der Person liegt das selten. Es fehlt ein Onboarding, das die ersten Wochen in der Rolle begleitet. Fünf Bausteine helfen dabei. Am Ende findest du einen Vorschlag, wie du sie auf drei Monate verteilst.
Wie klärst du die Rolle eines neuen Sicherheitsbeauftragten?
Oft heißt es nur: „Du bist jetzt SiBe.“ Damit ist die Rolle vergeben. Beschrieben ist sie damit noch nicht. Neue Sicherheitsbeauftragte brauchen eine klare Beschreibung ihrer Aufgaben. Genauso wichtig ist, was nicht dazugehört. Dieser Punkt wird fast nie besprochen.
Viele SiBes halten sich am Anfang für die verlängerte Kontrollinstanz der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Das sorgt für Frust bei ihnen und bei den Kollegen. Sag deshalb im ersten Gespräch klar:
Sicherheitsbeauftragte haben keine Weisungsbefugnis.
Sie tragen keine zusätzliche Haftung für die Durchführung des Arbeitsschutzes. Die Verantwortung bleibt beim Unternehmer und bei den Führungskräften.
Sie dürfen wegen ihrer Aufgabe nicht benachteiligt werden. Das regelt § 22 Abs. 3 SGB VII.
Danach folgt das Gespräch mit der direkten Führungskraft. Sie sagt, was sie im eigenen Bereich konkret erwartet. Erst dann wird aus der Rolle etwas Greifbares.
Dazu gehören klare Kommunikationswege: Wer ist Ansprechpartner, und wie werden Beobachtungen gemeldet? Dazu gehört auch die psychologische Seite. Ein SiBe muss verstehen, wie er auf Kollegen wirkt, wenn er ein unbequemes Thema anspricht. Mit diesen Menschen arbeitet er jeden Tag zusammen. Das lernt sich nicht von allein.
Wie motivierst du neue Sicherheitsbeauftragte von Anfang an?
Sicherheitsbeauftragte übernehmen ihre Rolle zusätzlich zur eigentlichen Arbeit. Eine Vergütung gibt es dafür in der Regel nicht, Wertschätzung oft auch nicht. Deshalb ist Motivation die Grundlage für alles Weitere. Wer sich nur bestellt fühlt, erfüllt die Mindestanforderung. Wer sich gesehen fühlt, steckt Energie in die Rolle.
Im Onboarding wirken diese Hebel besonders:
Die Sprache der Bestellung. „Deine Beobachtungen aus der Fläche sind Gold für uns. Das sehen wir aus unserer Ebene gar nicht.“ Das klingt anders als: „Das Gesetz verlangt einen SiBe, mach mal.“ Beide Sätze sind wahr. Motivieren tut nur einer.
Die Arbeit sichtbar machen. Wenn die Führungskraft jede Woche fragt, was der SiBe beobachtet hat, zählt seine Arbeit plötzlich.
Ein klarer Fahrplan. Ein offener Endlosauftrag lähmt. Wenn feststeht, welches Thema in welchem Monat dran ist, gibt das Halt.
Wir sagen bei safellows oft: Sicherheitsbeauftragte sind das Immunsystem des Unternehmens. Ein starkes Immunsystem merkt man erst, wenn es fehlt. Mehr Ideen für die Zeit nach dem Start stehen im Artikel Sicherheitsbeauftragte motivieren.
Wie verbindest du Schulung und Praxis?
Was ein SiBe in der Grundqualifizierung lernen soll, beschreibt der DGUV Grundsatz 311-004 (Ausgabe Mai 2025). Er legt Lernergebnisse fest und keinen festen Zeitumfang. Nach § 23 SGB VII sorgen die Unfallversicherungsträger für die Ausbildung, du stellst deinen SiBe dafür frei und zahlst den Lohn weiter.
In der Schulung lernt der SiBe, wie eine Gefährdungsbeurteilung funktioniert. Zurück im Bereich steht er vor der Abfüllanlage, an der seit Jahren improvisiert wird. Für diese Situation liefert die Theorie allein keine Antwort.
Hilfreich ist eine echte Einbindung direkt nach der Schulung. Der SiBe geht mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit auf Begehung. Bei der nächsten Unfalluntersuchung in seinem Bereich ist er dabei. Was man am echten Fall gelernt hat, vergisst man nicht so schnell.
Welche Rolle spielt die Führungskraft beim Onboarding?
Ein häufiger Organisationsfehler: Die Sifa betreut die Sicherheitsbeauftragten ganz allein. Der SiBe hängt dann neben der Hierarchie seines Bereichs in der Luft. Den größten Hebel hat die direkte Führungskraft.
Das beginnt mit dem ersten Satz nach der Bestellung: „Ich begleite dich am Anfang. Wir gehen gemeinsam auf Begehung und sprechen regelmäßig über deine Erfahrungen.“ Dazu gehört:
Die Führungskraft benennt die größten Risiken im eigenen Bereich ganz konkret.
Sie zeigt Wertschätzung sichtbar, zum Beispiel mit einem Dank in der Teambesprechung. Das verändert, wie das ganze Team den SiBe wahrnimmt.
Sie tauscht sich regelmäßig mit der Sifa aus, wie der SiBe dasteht und was er noch braucht.
Welche Gesprächsführung braucht ein neuer Sicherheitsbeauftragter?
Ein SiBe muss mit Kollegen sprechen können, wenn eine Betriebsanweisung ignoriert wird. Und zwar so, dass er weder als Spielverderber dasteht noch die Beziehung beschädigt. Diese Beziehung braucht er jeden Tag.
Diese Fähigkeiten gehören deshalb genauso ins Onboarding wie das Fachwissen:
Fragen, ohne anzuklagen. „Mir ist aufgefallen, dass du an der Säge ohne Schutzbrille arbeitest. Was ist deine Erfahrung damit?“ So fühlt sich der Kollege eingebunden.
Vermitteln. Der SiBe steht zwischen den Kollegen auf der einen und der Geschäftsführung auf der anderen Seite.
Verstehen, warum eine Regel ignoriert wird. Oft steckt Zeitdruck dahinter, manchmal schlicht Unwissen.
Selbstbewusst auftreten, ohne arrogant zu wirken. Der SiBe darf auch sagen: „Das kläre ich und komme wieder auf dich zu.“
Wie sieht ein Onboarding-Fahrplan für die ersten drei Monate aus?
Die fünf Bausteine laufen parallel. Ein Schwerpunkt pro Monat hilft trotzdem. Ein Vorschlag:
Monat 1: Rolle und Erwartungen
Bestellgespräch mit der Führungskraft. Aufgaben und Grenzen der Rolle klären. Ansprechpartner und Meldeweg festlegen. Die Führungskraft stellt den SiBe in der Teambesprechung vor. Falls die Grundqualifizierung noch fehlt, meldet ihr ihn beim Unfallversicherungsträger an.
Monat 2: Praxis im eigenen Bereich
Erste gemeinsame Begehung mit der Sifa. Der SiBe schaut sich die Gefährdungsbeurteilung seines Bereichs an und bringt eigene Beobachtungen ein. Die Führungskraft fragt jede Woche nach, was ihm aufgefallen ist.
Monat 3: Gespräche und erste eigene Themen
Der SiBe spricht Kollegen auf Beobachtungen an. Vorher übt er solche Gespräche mit der Sifa oder mit anderen SiBes. Am Ende des Monats setzen sich Führungskraft, Sifa und SiBe zusammen: Was lief gut, was braucht er noch?
Dein erster Schritt: Setz dich diese Woche mit deinem neuesten SiBe und seiner Führungskraft für eine halbe Stunde zusammen. Klärt gemeinsam, was in seinem Bereich von ihm erwartet wird und was nicht dazugehört. Wo deine SiBes heute stehen, zeigt dir der kostenlose Report zur SiBe-Wirksamkeit.
Häufige Fragen
Muss der Betriebsrat bei der Bestellung beteiligt werden?
Ja. Nach § 22 Abs. 1 SGB VII bestellt der Unternehmer Sicherheitsbeauftragte unter Beteiligung des Betriebsrats oder Personalrats. Welche Fehler bei der Bestellung häufig passieren, steht im Artikel Fehler bei der Bestellung von Sicherheitsbeauftragten.
Wie viele Sicherheitsbeauftragte braucht mein Betrieb?
Bei 50 bis 249 Beschäftigten ohne besondere Gefährdung genügt eine Person. Ab 250 Beschäftigten richtet sich die Zahl nach den Kriterien aus § 20 DGUV Vorschrift 1 und der DGUV Regel 100-001. Mehr dazu im Artikel Anzahl der Sicherheitsbeauftragten festlegen.
Gehört ein neuer SiBe in den Arbeitsschutzausschuss?
Ja. Nach § 11 ASiG sind Sicherheitsbeauftragte Mitglied im Arbeitsschutzausschuss, den Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten bilden müssen. Nimm deinen neuen SiBe gleich zur nächsten Sitzung mit.
Dario war Head of HSE in der Produktion und hatte über 20 Sicherheitsbeauftragte, die er nur ab und zu beteiligt hat. Heute hilft er Betrieben, ihre Sicherheitsbeauftragten wirksam zu machen.
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