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Führung · 10. April 2026 · 7 Min. Lesezeit

Geprüft und aktualisiert am

Führungskräfte und Sicherheitsbeauftragte: So schaffst du Akzeptanz für die Rolle

Ohne Rückendeckung der Führungskraft bewegt dein SiBe wenig. So gewinnst du Vorgesetzte für die Rolle, mit Beispielen direkt aus dem Betriebsalltag.

Führungskräfte akzeptieren Sicherheitsbeauftragte, wenn sie im eigenen Bereich erleben, dass der SiBe Probleme früh sichtbar macht und ihnen damit Arbeit abnimmt. Der SiBe braucht dafür ihre Rückendeckung, denn er hat keine Weisungsbefugnis und trägt keine zusätzliche Haftung. Die Verantwortung für den Arbeitsschutz bleibt beim Unternehmer und bei den Führungskräften, und nach § 22 Abs. 3 SGB VII darf kein SiBe wegen seiner Aufgabe benachteiligt werden.
Donnerstag, Schichtübergabe in Halle 3. Der Sicherheitsbeauftragte spricht den Schichtleiter auf die zugestellte Fluchttür an. Der Schichtleiter nickt, sagt „mach ich gleich“ und dreht sich zur Linie um. Am Montag steht die Palette immer noch da. Der SiBe hat getan, was seine Aufgabe ist. Bewegt hat sich nichts.
Solche Szenen haben selten mit dem SiBe zu tun. Meist zeigen sie, wie die Führungskraft die Rolle sieht. Dieser Artikel ist für Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Verantwortliche im Unternehmen, die Führungskräfte für die SiBe-Rolle gewinnen wollen.

Warum brauchen Sicherheitsbeauftragte die Rückendeckung der Führungskraft?

Ein SiBe kann Hinweise geben. Ob daraus etwas wird, entscheidet die Führungskraft. Sie prägt das Verhalten im Betrieb auf mehreren Wegen:
  • Vorbild: Das Team orientiert sich an dem, was vorgelebt wird. Wenn die Meisterin ohne Schutzbrille durch die Schleiferei geht, ist die Unterweisung vom Vormittag erledigt.
  • Rahmen: Führungskräfte entscheiden, welche Themen Zeit und Ressourcen bekommen. Ob der SiBe in der Teamrunde fünf Minuten hat, legt der Vorgesetzte fest.
  • Anerkennung: Am Verhalten der Führungskraft sehen alle, ob eine Rolle zählt. Ein „Gut, dass du das ansprichst“ vor dem Team wirkt lange nach.
Fehlt diese Rückendeckung, steckt der SiBe fest. Er will etwas bewegen und findet kein Gehör. Nach ein paar Monaten meldet er nichts mehr. Mit Rückendeckung erlebt das Team den SiBe als Partner, der die Arbeit sicherer macht. Wie sich die erste Variante aus Sicht der SiBes anfühlt, beschreibt der Artikel Warum dich als Sicherheitsbeauftragter keiner ernst nimmt.

Was passiert, wenn SiBes keinen festen Platz haben?

Dario Ostfechtel von safellows kennt das von der anderen Seite des Schreibtischs. Er war Leiter HSE in einem Industrieunternehmen und hatte über 20 Sicherheitsbeauftragte. Eingebunden hat er sie nur ab und zu. Einen festen Platz in seiner Arbeit hatten sie nicht. Ihre Bereiche hat er oft gesehen, mit den SiBes selbst hat er wenig gesprochen.
Für Führungskräfte ist das ein deutliches Signal. Wenn selbst die Arbeitsschutzabteilung die SiBes nur gelegentlich fragt, warum sollte der Schichtleiter es öfter tun? Akzeptanz bei Führungskräften beginnt deshalb bei der Sifa und der HSE-Abteilung selbst.

Warum unterstützen Führungskräfte Sicherheitsbeauftragte oft nicht?

In einer Befragung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV mit mehr als 1.600 Sicherheitsbeauftragten gaben 30,9 % an, dass ihre Vorgesetzten sie selten unterstützen. 47,0 % sagen, eine bessere Kommunikation mit Führungskräften würde ihre Wirksamkeit verbessern. In Betrieben ab 250 Beschäftigten ist es etwa die Hälfte, in kleineren etwa ein Drittel. Je größer dein Betrieb, desto mehr lohnt sich der Blick auf diese Schnittstelle.
Böser Wille steckt selten dahinter. In der Praxis tauchen immer wieder diese Gründe auf:
  • Unklare Erwartungen: Die Führungskraft kennt die Rechtsgrundlage. Was der SiBe konkret tut und was ihr das bringt, weiß sie oft nicht.
  • Sorge vor Mehraufwand: Viele befürchten, dass der SiBe Abläufe bremst. Und dass er an der Linie fehlt, wenn er unterwegs ist.
  • Verschiedene Sprachen: Die Sifa argumentiert mit Vorschriften. Die Führungskraft denkt in Stückzahlen und Personalplanung. Fachwissen, das niemand übersetzt, kommt bei ihr nicht an.

Wie zeigst du Führungskräften den Nutzen von Sicherheitsbeauftragten?

Führungskräfte wollen Ergebnisse sehen. Wer um sechs Uhr die Schicht besetzen muss, hört bei allgemeinen Sätzen über Sicherheitskultur nicht lange zu. Kleine echte Geschichten aus dem eigenen Betrieb bleiben hängen.
So eine Geschichte kann ganz klein sein. Ein SiBe in der Montage bemerkt, dass Kollegen eine Abkürzung über die Staplerfahrbahn nehmen, weil der Fußweg zur Kantine einen Umweg macht. Er bespricht das mit dem Team und macht einen Vorschlag. Danach gibt es einen markierten Übergang. Erzähl solche Geschichten in der Führungsrunde, kurz und mit dem Namen des SiBe.
Zwei Effekte kannst du damit sichtbar machen. Unsichere Situationen werden früher erkannt. Und Beschäftigte erleben, dass ihre Anliegen ankommen. Genau darum geht es bei SiBe-Wirksamkeit: Der SiBe bewegt etwas, und alle im Bereich sehen es.

Wie bindest du SiBes in Entscheidungen der Führungskraft ein?

Akzeptanz entsteht dort, wo entschieden wird. Ist der SiBe früh an Veränderungen in der Produktion beteiligt, erlebt die Führungskraft ihn als Mitgestalter. In Betrieben mit Arbeitsschutzausschuss sitzen Sicherheitsbeauftragte nach § 11 ASiG ohnehin mit am Tisch. Im Alltag der Abteilung braucht es mehr.
Praktische Möglichkeiten:
  • Teilnahme an Arbeitskreisen zur Prozessverbesserung
  • Einbindung beim Projektstart, etwa wenn eine neue Anlage geplant wird, damit Risiken aus Sicht der Belegschaft früh auf den Tisch kommen
  • ein fester Punkt in der Team- oder Abteilungsbesprechung
Der feste Agendapunkt ist der einfachste Einstieg. Fünf Minuten am Montag in der Teamrunde: Der SiBe berichtet, was ihm in der Woche aufgefallen ist. Die Führungskraft entscheidet vor allen, was damit passiert. So werden beide Rollen sichtbar. Wie du SiBes über die Teamrunde hinaus fest in Abläufe holst, steht im Artikel Sicherheitsbeauftragte strategisch einbinden.

Wie sprechen Sicherheitsbeauftragte ihre Führungskraft richtig an?

Viele SiBes sind fachlich stark und im Gespräch mit Vorgesetzten unsicher. Führungskräfte erwarten klare, kurze Botschaften mit einem Lösungsvorschlag. Hilf deinen SiBes, ihre Hinweise als Angebot zum Gespräch zu formulieren.
Ein Werkzeug dafür ist Einwandbehandlung. Der Schichtleiter sagt: „Dafür haben wir jetzt keine Zeit.“ Der SiBe nimmt den Einwand auf und bietet eine Alternative an: „Verstehe ich. Können wir die Palette nach der Pause wegräumen? Dann ist die Tür vor dem Schichtwechsel frei.“ Wer so spricht, tappt nicht in die Belehrer-Falle.

Welche Haltung überzeugt Führungskräfte?

Haltung ist schwer zu messen. Führungskräfte merken trotzdem schnell, ob ein SiBe Pflichten abarbeitet oder von seiner Rolle überzeugt ist. Eine reflektierte Haltung klingt etwa so:
  • „Ich bin Partner für mein Team und für meine Führungskraft.“
  • „Ich höre zu und suche mit anderen nach Lösungen.“
  • „Ich schaue mir an, wie ich wirke, und entwickle mich weiter.“
Diese Haltung entscheidet oft darüber, ob eine Führungskraft dem SiBe vertraut. Üben lässt sie sich in der Ausbildung und später in der Fortbildung für Sicherheitsbeauftragte.

Womit fängst du nächste Woche an?

Such dir eine Führungskraft aus, bei der die Chancen gut stehen. Frag sie, ob ihr SiBe ab nächster Woche fünf Minuten in der Teamrunde bekommt. Nach vier Wochen fragst du nach, was aus seinen Hinweisen geworden ist. Wenn du sehen willst, wo dein SiBe-System insgesamt steht, hilft dir unsere Analyse für Unternehmen. Einen ersten Überblick gibt dir der kostenlose Report zur SiBe-Wirksamkeit.

Häufige Fragen

Darf eine Führungskraft selbst Sicherheitsbeauftragter sein?

Das passt schlecht zur Rolle. SiBes wirken als Kollegen auf Augenhöhe und haben keine Weisungsbefugnis. Ein Hinweis der Vorgesetzten kommt im Team dagegen immer als Anweisung an. Mehr dazu im Artikel 10 Fehler bei der Bestellung von Sicherheitsbeauftragten.

Darf ein Sicherheitsbeauftragter wegen unbequemer Hinweise Nachteile bekommen?

Nein. § 22 Abs. 3 SGB VII verbietet, Sicherheitsbeauftragte wegen der Erfüllung ihrer Aufgaben zu benachteiligen.

Muss der Vorgesetzte den SiBe für die Ausbildung freistellen?

Ja. Nach § 23 SGB VII sorgen die Unfallversicherungsträger für die Aus- und Fortbildung. Der Arbeitgeber stellt den SiBe dafür frei und zahlt den Lohn weiter.

Haftet der SiBe, wenn die Führungskraft seinen Hinweis ignoriert?

Nein. Sicherheitsbeauftragte tragen keine zusätzliche Haftung für den Arbeitsschutz. Die Verantwortung bleibt beim Unternehmer und bei den Führungskräften.

Quellen

  • § 22 SGB VII Sicherheitsbeauftragte, Fassung ab 29. Mai 2026 (gesetze-im-internet.de)
  • § 23 SGB VII Aus- und Fortbildung (gesetze-im-internet.de)
  • § 11 ASiG Arbeitsschutzausschuss (gesetze-im-internet.de)
  • DGUV Information 211-042 Sicherheitsbeauftragte (publikationen.dguv.de)
  • DGUV (Hrsg.): „Verbesserung der Wirksamkeit von Sicherheitsbeauftragten. Konzeptionelle Überlegungen und praktische Ansätze für erfolgreiche außerbetriebliche und innerbetriebliche Maßnahmen“, mit Ergebnissen der Befragung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG), Webcode p022400: publikationen.dguv.de
Dario Ostfechtel

Geschrieben von

Dario Ostfechtel

Sicherheitsingenieur, Gründer von safellows

Dario war Head of HSE in der Produktion und hatte über 20 Sicherheitsbeauftragte, die er nur ab und zu beteiligt hat. Heute hilft er Betrieben, ihre Sicherheitsbeauftragten wirksam zu machen.

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