Sicherheitsbeauftragte motivieren: Warum es am System liegt
Deine Sicherheitsbeauftragten wirken müde? Meist fehlt das System um sie herum. Was SiBes wirklich brauchen, damit Motivation von selbst entsteht.
Du hast deine Sicherheitsbeauftragten ordentlich bestellt. Die Schulung war gebucht, das Zertifikat liegt im Ordner. Trotzdem passiert im Alltag wenig. Mängel werden nicht gemeldet. In der Sitzung des Arbeitsschutzausschusses nach § 11 ASiG sagt keiner etwas. Im Begehungsprotokoll stehen dieselben Punkte wie vor einem Jahr.
Dann kommt fast immer die Frage: Wie motiviere ich meine Sicherheitsbeauftragten? Die Frage ist verständlich. Sie setzt aber an der falschen Stelle an. Die Motivation war am Anfang meistens da. Was fehlt, ist das System um die SiBes herum. Genau darum geht es bei SiBe-Wirksamkeit.
Der erste Reflex: mehr Anerkennung
Wer als Sifa oder HSE-Verantwortliche nach Motivation sucht, ist meistens frustriert. Zeit und Budget sind investiert, das Ergebnis ist mager. Der erste Reflex setzt bei der Person an. Ein Dankesessen vielleicht, oder eine Urkunde. Die Idee: Wenn wir die SiBes mehr wertschätzen, werden sie aktiver.
Das klingt logisch. Auf Dauer trägt es nicht. SiBes üben ihre Rolle zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit aus. Die allermeisten haben sie übernommen, weil sie angesprochen wurden oder weil sie wirklich etwas bewegen wollten. An einen Gutschein hat dabei kaum jemand gedacht.
Die Motivation war also da. Die spannendere Frage lautet: Was ist mit ihr passiert?
Was SiBes die Motivation nimmt
Wir sehen in Industriebetrieben immer wieder dasselbe Muster. SiBes starten engagiert. Dann treffen sie auf Widerstände, auf die sie niemand vorbereitet hat.
Der SiBe spricht einen Kollegen an der Drehmaschine an, weil er keine Schutzbrille trägt. Der Kollege winkt ab. Die Führungskraft reagiert nicht. Beim nächsten Mal spart sich der SiBe den Satz. Er hat gelernt, dass es nichts bringt.
Oder: Eine SiBe meldet die beschädigte Leiter im Lager. Die Meldung landet in einer Liste. Sechs Wochen später steht die Leiter noch da. Beim nächsten Mangel denkt sie: Wozu melden?
Das sind Strukturprobleme. Die SiBes erleben, dass ihr Handeln keine Wirkung hat. Wer das lange genug erlebt, hört auf zu handeln. Das ist menschlich.
Anerkennung braucht Wirkung dahinter
Anerkennung ist wichtig. Niemand will Zusatzarbeit leisten und dafür übersehen werden. Ein ehrliches Danke der Geschäftsführung gehört dazu, ebenso die Einladung in Besprechungen, in denen es um den eigenen Bereich geht.
Ohne Wirkung bleibt Anerkennung aber hohl. Stell dir vor, du dankst deinem SiBe auf der Weihnachtsfeier. Am nächsten Morgen verschwindet seine Mängelmeldung wieder in der Ablage. Dann hast du nichts gewonnen. Er nimmt mit, dass die Rolle nur auf dem Papier existiert.
SiBes brauchen die Erfahrung, dass ihr Einsatz Folgen hat und dass ihre Führungskraft hinter ihnen steht.
Was SiBes brauchen, um wirksam zu sein
Die bessere Frage lautet also: Was brauchen meine SiBes, um wirksam zu sein? Wir beantworten sie mit dem Wirksamkeits-Prinzip. Es hat drei Bereiche.
Wissen und Haltung
Eine Grundausbildung, die nur Paragrafen vermittelt, reicht nicht. SiBes müssen verstehen, warum es ihre Rolle gibt und was sie konkret bewirken können. Daraus entsteht eine Haltung, die über Pflichtbewusstsein hinausgeht. In einem Seminar, in dem der Referent zum sechsten Mal in der Woche dieselben Folien zeigt, entsteht sie selten. Wie eine Ausbildung aussieht, die das leistet, steht auf der Seite zur Ausbildung für Sicherheitsbeauftragte.
Kommunikation und Beteiligung
Eine Gefährdung zu erkennen, fällt den meisten SiBes leicht. Schwierig wird das Gespräch danach. Wie spreche ich einen Kollegen an, ohne als Besserwisser dazustehen? Und wie bringe ich ein Thema bei der Führungskraft an, ohne als Nörgler zu gelten?
Dafür brauchen SiBes Handwerkszeug: erprobte Formulierungen und Gesprächsstrategien, die im Schichtbetrieb funktionieren. Theorie über Kommunikationsmodelle hilft ihnen an der Maschine wenig.
System und Struktur
Kein SiBe bleibt lange aktiv, wenn das Umfeld nicht stimmt. Dazu gehören:
ein klarer Ablauf für Mängelmeldungen
eine feste Rückmeldung, was aus einer Meldung geworden ist
Lob und Urkunden sind nett. Die Grundlagen für SiBe-Wirksamkeit ersetzen sie nicht.
In unserer Arbeit mit Betrieben vom Handwerk bis zur Industrie sehen wir immer wieder denselben Wendepunkt. Sobald SiBes merken, dass sie gehört werden und ihr Handeln Folgen hat, redet niemand mehr über Motivation. Sie ist dann einfach da, weil die SiBes erleben, dass ihre Arbeit wirkt.
Nimm dir die letzte Mängelmeldung eines SiBe vor. Frag nach, was daraus geworden ist und ob der SiBe das weiß. Wenn du die Antwort nicht kennst, kennt er sie wahrscheinlich auch nicht. Dort fängst du an. Wenn du genauer wissen willst, wo deine SiBes heute stehen, schau dir unsere Analyse für Unternehmen an oder fordere den kostenlosen Report zur SiBe-Wirksamkeit an.
Häufige Fragen
Darf ein Sicherheitsbeauftragter wegen seiner Hinweise benachteiligt werden?
Nein. § 22 Abs. 3 SGB VII verbietet, Sicherheitsbeauftragte wegen der Erfüllung ihrer Aufgaben zu benachteiligen. Wer Mängel meldet, darf dafür keinen Ärger bekommen.
Haftet ein Sicherheitsbeauftragter, wenn trotz Meldung etwas passiert?
Nein. Sicherheitsbeauftragte tragen keine zusätzliche Haftung für den Arbeitsschutz. Die Verantwortung bleibt beim Unternehmer und bei den Führungskräften.
Wie oft sollten Sicherheitsbeauftragte fortgebildet werden?
Eine gesetzliche Frist gibt es nicht. Als Orientierung gilt eine Auffrischung spätestens drei bis fünf Jahre nach der Ausbildung. Mehr dazu im Artikel Fortbildung für Sicherheitsbeauftragte: Wie oft?
Dario war Head of HSE in der Produktion und hatte über 20 Sicherheitsbeauftragte, die er nur ab und zu beteiligt hat. Heute hilft er Betrieben, ihre Sicherheitsbeauftragten wirksam zu machen.
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