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Ausbildung · 13. April 2026 · 6 Min. Lesezeit

Geprüft und aktualisiert am

Sicherheitsbeauftragte Schulung im Selbststudium: Was ein Online-Kurs leisten kann

Online-Kurs für deine Sicherheitsbeauftragten? Was ein Selbststudium leistet, wo es an Grenzen stößt und was du danach im Betrieb ergänzen solltest.

Ein Online-Kurs im Selbststudium kann Sicherheitsbeauftragten das nötige Fachwissen gut vermitteln. Der DGUV Grundsatz 311-004 (Ausgabe Mai 2025) legt für die Grundqualifizierung Lernergebnisse fest und keinen festen Zeitumfang, er zielt auf das Handeln im Betrieb. Gesprächsführung und Rollenklarheit entstehen erst durch Übung und Begleitung im eigenen Betrieb, die du als Unternehmen nach dem Kurs organisierst.
Ein paar Stunden Videos. Ein Test am Ende. Das Zertifikat kommt per Mail. So läuft ein typischer Online-Kurs für Sicherheitsbeauftragte ab.
Schwierig wird es am Montag danach. Die frisch geschulte Kollegin steht wieder an ihrer Linie in Halle 3. Die Kollegen kennen sie als Maschinenbedienerin. Ihre Schichtleitung weiß nicht genau, was sich jetzt geändert hat. Und sie selbst fragt sich, wo sie anfangen soll.
Wir kennen diesen Moment von beiden Seiten. Martina ist als Sicherheitsbeauftragte im produzierenden Gewerbe gestartet, ohne Einarbeitung und nur mit einem Zertifikat. Ich war Leiter HSE in einem Industrieunternehmen und hatte über 20 Sicherheitsbeauftragte. Eingebunden habe ich sie nur ab und zu, mit den SiBes selbst habe ich wenig gesprochen. Wie sie nach ihren Lehrgängen in die Rolle gefunden haben, habe ich deshalb kaum mitbekommen.

Was verlangt der DGUV Grundsatz 311-004 von der Ausbildung?

Die Grundqualifizierung von Sicherheitsbeauftragten beschreibt der DGUV Grundsatz 311-004 „Rahmenkonzept zur Grundqualifizierung von Sicherheitsbeauftragten“ in der Ausgabe von Mai 2025. Er legt Lernergebnisse und ein didaktisches Rahmenkonzept fest. Eine feste Stundenzahl schreibt er nicht vor.
Die Lernergebnisse zielen darauf, dass ein Sicherheitsbeauftragter im Betrieb handeln kann. Der Grundsatz beschreibt dafür vier Kompetenzfelder, die zusammenspielen:
  • Fachkompetenz: Wissen über Gefährdungen, Schutzmaßnahmen und rechtliche Grundlagen.
  • Methodenkompetenz: Beobachtungen einordnen, Handlungsbedarf erkennen, systematisch vorgehen.
  • Sozialkompetenz: einen Kollegen auf unsicheres Arbeiten ansprechen, ohne dass er sich kontrolliert fühlt. Ein Thema bei der Führungskraft platzieren, das sie gerade nicht auf dem Schirm hat.
  • Personal- und Selbstkompetenz: Klarheit über die eigene Rolle. Dazu die Bereitschaft, dranzubleiben, wenn man zweimal nicht gehört wurde.
Mehr zum Aufbau des Grundsatzes findest du im Artikel DGUV Grundsatz 311-004.

Wofür eignet sich ein Online-Kurs für Sicherheitsbeauftragte?

Online-Kurse haben echte Stärken. Deine Leute lernen dann, wenn es in den Schichtplan passt, und du kannst viele Personen auf einmal schulen. Fachwissen lässt sich über Videos und Texte gut vermitteln.
Wer verstehen will, was in der DGUV Vorschrift 1 steht oder wie eine Gefährdungsbeurteilung aufgebaut ist, ist mit diesem Format gut bedient. Die Fachkompetenz deckt ein guter Kurs ab.

Wo stößt das Selbststudium an Grenzen?

Bei den anderen Kompetenzfeldern wird es schwierig. Sozialkompetenz wächst durch Übung und Feedback. Wer lernen will, den Kollegen am Stapler auf den fehlenden Gurt anzusprechen, muss dieses Gespräch selbst führen. Zuschauen reicht dafür nicht.
Selbstkompetenz entsteht durch Reflexion und durch Austausch mit anderen Sicherheitsbeauftragten. Ein Multiple-Choice-Test kann sie kaum erfassen. Am stärksten wirkt die Erfahrung, dass ein eigener Hinweis im Bereich etwas verändert hat.
Methodenkompetenz wächst im eigenen Betrieb. Bei der Begehung am Montag oder im Gespräch an der Schichtübergabe.
Ein Selbstlernkurs kann diese Felder anstoßen. Entwickeln kann er sie allein kaum. Das ist eine Grenze des Formats und gilt für jeden Anbieter.

Was passiert nach der Online-Schulung im Betrieb?

Nimm eine Kollegin aus der Montage. Sie macht den Online-Kurs in zwei Wochen, besteht den Test und bekommt ihr Zertifikat. Dann ist sie wieder an ihrem Arbeitsplatz. Niemand führt sie in die neue Rolle ein. Ein Zeitbudget hat sie nicht. Was sie konkret tun soll, hat ihr keiner gesagt.
Drei Monate später ist vom Kurs im Alltag wenig übrig. Gefehlt hat jemand, der dafür sorgt, dass das Gelernte im Betrieb ankommt.

Was solltest du als Unternehmen nach dem Kurs ergänzen?

Die Schulung ist der Anfang der Qualifizierung. Damit daraus Wirkung im Betrieb wird, braucht es die Wochen und Monate danach. Bei safellows schauen wir für die SiBe-Wirksamkeit auf drei Bereiche.

Wissen und Haltung

Fachwissen ist die Grundlage. Dazu kommt die Überzeugung, dass die Rolle etwas bewirkt. Diese Haltung entsteht im Austausch mit anderen SiBes und durch erste Erfolge im eigenen Bereich.

Kommunikation und Beteiligung

Viele Sicherheitsbeauftragte wissen genug und werden trotzdem nicht gehört. Gesprächsführung lässt sich üben, am besten mit echten Situationen aus dem eigenen Betrieb und mit Feedback.

System und Struktur

Auch die engagierteste SiBe bleibt wirkungslos, wenn die Organisation sie nicht trägt. Führungskräfte müssen wissen, was sie von ihr erwarten können. Dazu gehören ein Zeitbudget und ein regelmäßiger Austausch.
Wie die drei Bereiche zusammenhängen, steht auf der Seite zum Wirksamkeits-Prinzip. Wie du neue SiBes durch die ersten Monate begleitest, liest du im Artikel Sicherheitsbeauftragte onboarden.

Wie kann eine Kombination aus Online-Kurs und Praxis aussehen?

Der Online-Kurs muss deshalb nicht raus. Er kann das Fachwissen liefern. Den Rest organisierst du im Betrieb. Zum Beispiel so:
  • Die SiBe macht den Kurs. In der Woche danach führt ihre Führungskraft ein Gespräch über Erwartungen und Zeitbudget.
  • Im ersten Monat geht sie mit der Sifa auf Begehung durch ihren Bereich.
  • Beim nächsten SiBe-Treffen bringt sie eine eigene Beobachtung mit. Die Gruppe bespricht, wie sie das Thema bei den Kollegen anspricht.
So bekommt jedes Kompetenzfeld einen Ort, an dem es wachsen kann. Wie du SiBes danach dauerhaft in deine Abläufe holst, beschreibt der Artikel Sicherheitsbeauftragte strategisch einbinden.

Welche Fragen solltest du vor der nächsten Schulungsbuchung klären?

  1. Was soll sich danach im Betrieb ändern? Gemeint sind Gespräche und Beobachtungen, die es vorher nicht gab. Die Zahl der Zertifikate sagt darüber wenig.
  2. Was passiert nach dem Kurs? Gibt es eine Einführung in die Rolle? Weiß die Führungskraft im Bereich Bescheid? Gibt es ein festes SiBe-Treffen?
  3. Woran merkst du, ob es wirkt? Zum Beispiel daran, ob Beinaheunfälle gemeldet werden oder ob die SiBe bei der Begehung mitredet.
Wenn du die zweite Frage mit Nein beantwortest, verpufft auch ein guter Kurs.
Ein konkreter erster Schritt: Frag die SiBe, die du zuletzt geschult hast, was sie seit dem Kurs in ihrem Bereich angesprochen hat. Wie wir die Grundausbildung bei safellows aufbauen, siehst du auf der Seite zur Ausbildung zum Sicherheitsbeauftragten. Wo deine SiBes heute stehen, zeigt dir der kostenlose Report zur SiBe-Wirksamkeit.

Häufige Fragen

Wer zahlt die Schulung von Sicherheitsbeauftragten?

Für ihre eigenen Lehrgänge tragen die Unfallversicherungsträger nach § 23 Abs. 2 SGB VII die Kosten, auch für Fahrt, Verpflegung und Unterkunft. Für die ausgefallene Arbeitszeit zahlt der Arbeitgeber das Entgelt weiter. Bei Kursen anderer Anbieter gilt die Kostenübernahme nicht automatisch, frag vorher bei deiner Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse nach.

Zählt ein Online-Kurs als Grundqualifizierung?

§ 22 und § 23 SGB VII schreiben kein bestimmtes Lernformat vor. Ob ein Kurs als Grundqualifizierung anerkannt wird, klärst du vor der Buchung mit deiner Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse.

Wie oft brauchen Sicherheitsbeauftragte eine Fortbildung?

Eine gesetzliche Frist gibt es nicht. Als Orientierung gelten drei bis fünf Jahre, Einzelheiten stehen im Artikel Wie oft brauchen Sicherheitsbeauftragte eine Fortbildung?

Wie prüft ein SiBe, wo er nach dem Kurs steht?

Dem DGUV Grundsatz 311-004 liegt ein Sibe-Kompetenzcheck bei. Damit schätzen Sicherheitsbeauftragte selbst ein, wie weit sie ihr Kompetenzprofil schon erfüllen.

Quellen

Dario Ostfechtel

Geschrieben von

Dario Ostfechtel

Sicherheitsingenieur, Gründer von safellows

Dario war Head of HSE in der Produktion und hatte über 20 Sicherheitsbeauftragte, die er nur ab und zu beteiligt hat. Heute hilft er Betrieben, ihre Sicherheitsbeauftragten wirksam zu machen.

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