Sicherheitsbeauftragte sind das Immunsystem des Unternehmens. Mit diesem Bild erklären wir bei safellows, warum SiBes in manchen Betrieben wirken und in anderen ins Leere laufen. Ein Immunsystem erkennt früh, was dem Körper schadet, und reagiert dort, wo es passiert. Beim nächsten Mal ist es vorbereitet. Genau das können SiBes für einen Betrieb sein. Ob sie es sind, hängt davon ab, ob der Betrieb ihre Signale empfängt.
Das Bild ist inzwischen unterwegs. Magnus Magnusson von Dräger hat es in einem Interview mit der Zeitschrift „Sicherheitsbeauftragter“ (Ausgabe 9/2026) aufgegriffen: „Ich nutze dafür gerne ein Bild von Dario Ostfechtel.“ Hier ist es einmal ganz ausgeführt.
Dienstag, kurz nach der Frühstückspause. Ein Staplerfahrer rollt durch die Montagehalle und bremst vor der neuen Pressenlinie ab. Die Schutztür steht offen, ein Kollege greift mit dem Arm in die Maschine, um ein verklemmtes Teil zu lösen. Die Linie steht seit zwanzig Minuten, und der Meister ist beim Kunden. Die Schicht will die Stückzahl trotzdem schaffen.
Der Staplerfahrer ist seit einem Jahr Sicherheitsbeauftragter. Er steigt ab, geht zu dem Kollegen und sagt nur: „Warte kurz. Ich hol das Reinigungswerkzeug, dann bist du mit den Fingern nicht drin.“ Zwei Minuten später läuft die Presse wieder. Niemand ist verletzt, und oben im Büro hat keiner mitbekommen, dass gerade etwas hätte passieren können.
Am Nachmittag schreibt er zwei Sätze in sein Heft: Bei verklemmten Teilen gibt es an der Linie kein griffbereites Werkzeug. Beim nächsten Treffen mit der SiFa bringt er es mit. Vier Wochen später hängt an jeder Presse ein Haken mit dem Werkzeug.
Ein Immunsystem ist über den ganzen Körper verteilt und erkennt eine Störung dort, wo sie entsteht. Bei einer Schnittwunde beginnt es mit Gegenmaßnahmen, bevor der Schmerz im Gehirn angekommen ist. Magnusson hat genau diesen Vergleich im Interview gebracht.
Übertragen auf den Betrieb: Der SiBe steht an der Maschine. Er sieht die offene Schutztür, bevor jemand im Büro einen Unfallbericht liest. Die SiFa kommt alle paar Wochen vorbei, die Führungskraft hat zwölf andere Themen auf dem Tisch. Der SiBe ist jeden Tag da.
Das Zweite, was ein Immunsystem kann: Es lernt. Nach dem ersten Kontakt mit einem Erreger ist der Körper beim nächsten Mal schneller. Der Haken an der Presse ist genau das. Eine Beobachtung von einem Dienstag wird zu einer Einrichtung, die jede Schicht schützt.
Jetzt der unbequeme Teil. In der Szene oben hätte die Geschichte an zwei Stellen enden können.
Erste Stelle: Der Staplerfahrer fährt weiter. Er hat vor einem Jahr eine Schulung gemacht, seitdem hat ihn niemand mehr auf seine Rolle angesprochen. Er weiß gar nicht, ob er den Kollegen überhaupt ansprechen darf. Also lässt er es. Das Immunsystem hat die Störung erkannt und tut nichts.
Zweite Stelle: Er spricht den Kollegen an, schreibt seine Notiz, und dann passiert nichts. Die SiFa hat keinen festen Termin mit ihm, die Führungskraft hält das Heft für Kleinkram. Nach dem dritten Mal hört er auf zu schreiben. Das Signal ist da, aber der Körper reagiert nicht. Das ist der häufigere Fall, und wie er sich anfühlt, steht im Artikel
Sicherheitsbeauftragte motivieren.
Die DGUV hat 2022 mehr als 1.600 Sicherheitsbeauftragte befragt. 51,7 % sagen, dass sie von den Beschäftigten selten angesprochen werden. 47,9 % erfahren zu spät von gefährlichen Situationen. Ein Immunsystem, das die Signale nicht bekommt, kann nichts tun.
Deshalb reden wir bei safellows von
SiBe-Wirksamkeit und meinen damit mehr als die Schulung. Ein Immunsystem braucht mehrere Dinge gleichzeitig, und die passen auf die drei Bereiche aus unserem Wirksamkeits-Prinzip.
Es muss erkennen können. Das ist Wissen und Haltung: Der SiBe weiß, worauf er achtet, und traut sich, etwas zu sagen.
Seine Signale müssen ankommen. Das ist Kommunikation und Beteiligung: Kollegen erzählen ihm, was
fast passiert wäre, und die Führungskraft hört ihm zu.
Und der Körper muss reagieren. Das ist System und Struktur: ein fester Termin mit der SiFa, ein Platz im
Arbeitsschutzausschuss, Zeit, die im Schichtplan steht, und eine Rückmeldung, was aus der Notiz geworden ist.
Die meisten Betriebe investieren in den ersten Bereich und wundern sich, dass nichts passiert. Sie haben die Zellen trainiert und ihnen dann die Leitung gekappt.
Wenn du SiFa oder Führungskraft bist: Nimm dir einen deiner SiBes und frag ihn, wann er zuletzt etwas gemeldet hat und was daraus geworden ist. Die Antwort sagt dir mehr über dein Immunsystem als jede Unfallstatistik. Wo dein Betrieb insgesamt steht, zeigt der kostenlose
Systemcheck in wenigen Minuten. Beispiele aus drei Betrieben stehen im kostenlosen
Report.
Wenn du selbst SiBe bist: Schreib die nächste Beobachtung auf und bring sie zu jemandem, der etwas daraus machen kann. Wie du dafür Gehör findest, steht im Artikel
Sicherheitsbeauftragte ernst nehmen.
Von uns bei safellows. Martina und ich nutzen es in Workshops und in der
safetyfellow® Grundausbildung, weil es in einem Satz erklärt, was ein SiBe für den Betrieb sein kann. Magnus Magnusson von Dräger hat es im Interview mit der Zeitschrift „Sicherheitsbeauftragter“ (9/2026) aufgegriffen.
Ein SiBe hat keine Weisungsbefugnis (§ 22 SGB VII). Er erkennt und meldet. Entscheiden und anweisen bleibt Aufgabe der Führungskraft. Im Bild: Das Immunsystem schlägt Alarm und packt vor Ort mit an, die großen Entscheidungen trifft der Körper.
Sicherheitskultur beschreibt den ganzen Betrieb: wie Führungskräfte mit Sicherheit umgehen und welche Werte gelebt werden. Das Immunsystem ist eine Rolle darin. Ein Betrieb kann eine gute Kultur haben und trotzdem SiBes, die niemand hört.