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Führung · 3. November 2026 · 5 Min. Lesezeit

Sicherheitsbeauftragte bestellen: Vorlage für eine wertschätzende Bestellurkunde

Was muss in die Bestellung deines Sicherheitsbeauftragten? Rechtliche Pflichtangaben und wie daraus eine Urkunde wird, die dein SiBe gern aufhängt.

Eine Bestellung zum Sicherheitsbeauftragten braucht laut § 22 SGB VII keine bestimmte Form. Bewährt hat sich ein schriftliches Bestellschreiben mit Name, Zuständigkeitsbereich und Rechtsgrundlage (§ 22 SGB VII, § 20 DGUV Vorschrift 1), dazu Zusagen zu Arbeitszeit und Ansprechpartnern, unterschrieben von der Geschäftsführung und unter Beteiligung des Betriebsrats. Pflicht ist die Bestellung seit dem 29. Mai 2026 in Unternehmen mit regelmäßig 50 oder mehr Beschäftigten, bei 21 bis 49 Beschäftigten nur bei besonderer Gefährdung laut Gefährdungsbeurteilung. Die Details stehen im Artikel Ab wie vielen Mitarbeitern brauchst du Sicherheitsbeauftragte?
Montagmorgen, Pausenraum. Der Schichtleiter drückt Jens ein Blatt in die Hand. Oben steht „Bestellung zum Sicherheitsbeauftragten gemäß § 22 SGB VII“, unten zwei Unterschriftenfelder. Jens unterschreibt, faltet das Blatt und steckt es in die Jackentasche. Dort bleibt es.
Das Schreiben erfüllt seinen Zweck auf dem Papier. Bei Jens kommt eine andere Botschaft an: Hier ist noch ein Formular. Dieser Artikel zeigt dir, was rechtlich in die Bestellung gehört und wie daraus eine Urkunde wird, die dein SiBe gern aufhängt.

Muss die Bestellung zum Sicherheitsbeauftragten schriftlich erfolgen?

Das Gesetz schreibt keine Form vor. § 22 Abs. 1 SGB VII verlangt, dass der Unternehmer Sicherheitsbeauftragte unter Beteiligung des Betriebsrats oder Personalrats bestellt. Wie das passiert, lässt es offen.
In der Praxis wird schriftlich bestellt. Die DGUV Information 211-042 beschreibt die Bestellung als meist schriftlich, unter Beteiligung des Betriebs- oder Personalrats und unter Mitwirkung der Fachkraft für Arbeitssicherheit und der unmittelbaren Vorgesetzten. Das hat handfeste Gründe. Fragt die Aufsichtsperson deiner Berufsgenossenschaft bei einer Begehung nach den Sicherheitsbeauftragten, legst du das Schreiben vor. Und dein SiBe kann sich auf das berufen, was ihr ihm schwarz auf weiß zugesagt habt.

Was gehört in ein Bestellschreiben für Sicherheitsbeauftragte?

  • Name des Sicherheitsbeauftragten und der Bereich, für den er zuständig ist
  • Rechtsgrundlage: § 22 SGB VII und § 20 DGUV Vorschrift 1
  • Beginn der Bestellung
  • Kurze Aufgabenbeschreibung, angelehnt an die Aufgaben und Pflichten von Sicherheitsbeauftragten
  • Termin für die Ausbildung beim Unfallversicherungsträger nach § 23 SGB VII oder bei einem anerkannten Anbieter wie unserer Ausbildung für Sicherheitsbeauftragte
  • Zusage, wie viel Arbeitszeit für die Aufgabe zur Verfügung steht
  • Ansprechpartner: Fachkraft für Arbeitssicherheit und direkte Führungskraft
  • Klarstellung, dass Sicherheitsbeauftragte keine Weisungsbefugnis und keine zusätzliche Haftung haben und wegen ihrer Aufgabe nicht benachteiligt werden dürfen (§ 22 Abs. 3 SGB VII)
  • Unterschriften von Geschäftsführung und Sicherheitsbeauftragtem, Vermerk zur Beteiligung des Betriebsrats
Damit ist die Pflicht erledigt. Ob der neue SiBe sich gemeint fühlt, entscheidet sich an anderer Stelle.

Warum spielt die Form der Bestellung eine Rolle?

Die ersten Tage prägen, wie jemand seine Rolle versteht. Bekommt der SiBe ein Formblatt zwischen Tür und Angel, lernt er daraus, wie wichtig das Thema im Betrieb genommen wird. Überreicht die Geschäftsführung die Bestellung vor dem Team und sagt dazu ein paar Sätze, lernt er etwas anderes. Die Kollegen übrigens auch.
Als Leiter HSE in einem Industrieunternehmen hatte ich über 20 SiBes. Ich habe sie nur ab und zu eingebunden, einen festen Platz in meiner Arbeit hatten sie nicht. Ihre Bereiche habe ich oft gesehen, mit den SiBes selbst habe ich wenig gesprochen.

Wie wird aus dem Bestellschreiben eine wertschätzende Urkunde?

Eine wertschätzende Bestellurkunde enthält alles, was rechtlich nötig ist. Sie sagt darüber hinaus, warum genau diese Person ausgewählt wurde. Zum Beispiel: „Weil du in der Montage den Überblick hast und deine Kollegen dir zuhören.“
Dazu kommt eine Zusage der Geschäftsführung, die man später einlösen kann. Etwa: „Wir nehmen deine Hinweise ernst und geben dir innerhalb einer Woche Rückmeldung.“
Die Urkunde wirkt nur, wenn ihr die Zusagen darauf im Alltag auch einhaltet, also die vereinbarte Zeit, den festen Ansprechpartner und die Einbindung in Besprechungen. Steht auf der Urkunde „zwei Stunden im Monat“ und der Meister streicht sie beim ersten Eilauftrag, glaubt der SiBe dem nächsten Schreiben nicht mehr.
Und dann der Rahmen. Die Urkunde wird übergeben, im Teammeeting oder bei der Betriebsversammlung. Ein Foto für das Intranet schadet auch nicht.

Welche Fehler passieren beim Bestellschreiben am häufigsten?

Häufig fehlt der konkrete Zuständigkeitsbereich, und der SiBe weiß nicht, wo er hinschauen soll. Oft steht nichts zur Arbeitszeit drin, dann bleibt die Aufgabe im Tagesgeschäft liegen. Und manchmal unterschreibt nur der direkte Vorgesetzte, obwohl gerade die Unterschrift der Geschäftsführung Gewicht hätte. Was bei der Bestellung insgesamt schiefgehen kann, von der Auswahl bis zur Vorstellung im Team, liest du im Artikel über 10 Fehler bei der Bestellung von Sicherheitsbeauftragten.

Was kommt nach der Übergabe der Urkunde?

Mit der Urkunde beginnt die Einarbeitung erst. Sie macht den ersten Schritt leichter, weil der SiBe von Anfang an spürt, dass er gebraucht wird. Wie die ersten Monate danach aussehen können, liest du im Beitrag zum Onboarding von Sicherheitsbeauftragten. Und warum manche SiBes trotz Ausbildung wenig bewirken, erklären wir auf unserer Seite zur SiBe-Wirksamkeit.

Dein nächster Schritt

Nimm dir das Bestellschreiben deines Betriebs vor und lies es mit den Augen deines SiBes. Würdest du es aufhängen? Wo euer Betrieb bei der SiBe-Wirksamkeit insgesamt steht, zeigt dir der kostenlose Report.

Häufige Fragen

Wer unterschreibt die Bestellung zum Sicherheitsbeauftragten?

Bestellt wird durch den Unternehmer, also unterschreibt die Geschäftsführung oder eine von ihr beauftragte Person. Unterschreibt der SiBe mit, ist festgehalten, dass er die Rolle und die Zusagen kennt.

Bekommt ein Sicherheitsbeauftragter für die Rolle mehr Geld?

§ 22 SGB VII sieht keine Zulage vor. Für die Ausbildung stellst du deinen SiBe nach § 23 SGB VII frei und zahlst den Lohn weiter.

Darf der Sicherheitsbeauftragte Kollegen Anweisungen geben?

Nein. Sicherheitsbeauftragte haben keine Weisungsbefugnis. Sie unterstützen die Führungskräfte, und die Verantwortung für den Arbeitsschutz bleibt beim Unternehmer.

Quellen

Dario Ostfechtel

Geschrieben von

Dario Ostfechtel

Sicherheitsingenieur, Gründer von safellows

Dario war Head of HSE in der Produktion und hatte über 20 Sicherheitsbeauftragte, die er nur ab und zu beteiligt hat. Heute hilft er Betrieben, ihre Sicherheitsbeauftragten wirksam zu machen.

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